Begrabe ich jetzt den Kriegsfuß und stehe ich mit jemandem auf dem gleichnamigen Beil? Ja, deutsh Sprach, schwer Sprach. Eine schöne Abhandlung habe ich mal wieder im nach wie vor unverzichtbaren Duden-Newsletter gefunden. Dieses kleine Textwerk kommt per E-Mail kostenlos ins Haus und die
Redaktion des Standard-Nachschlagewerks der deutschen Sprache macht sich in jeder Ausgabe die Mühe, für mich (ja, nur für mich) Redewendungen und ihre Bedeutung zu eruieren. In der aktuellen Ausgabe geht es um Füße und Äxte. Warum stehe ich eigentlich mit jemandem auf Kriegsfuß und warum grabe ich Kriegsbeile ein und aus? Also: Der Kriegsfuß kommt aus Frankreich, genauer ist er vom französischen Begriff sur le pied de guerre abgeleitet. Der Kriegsfuß hat sogar gleich zwei unterschiedliche Bedeutungen. Recht wörtlich genommen werden darf die Redewendung, steht man mit einer Person "auf Kriegsfuß", will sagen, kommt man mit einer Person über einen längeren Zeitraum so gar nicht klar. Hier kann man zur Abwechslung sogar wirklich mal auf einem Bein stehen, denn den Fuß gibt es in Zeiten des Kriegs übrigens definitiv nur im Singular. Zum Beispiel: "Mit Dirk Niebel stehe ich seit Jahren auf Kriegsfuß."
Im übertragenen Sinne zu verstehen ist die Redewendung allerdings, wenn sie sich auf eine persönliche Fertigkeit oder Tätigkeit bezieht. Mit etwas "auf Kriegsfuß stehen", bedeutet, dass man mit diesem Handwerk seine liebe Müh und Not hat. Zum Beispiel:
"Mit Gebrauchsanweisungen von Elektro-Geräten stehe ich auf Kriegsfuß, seit ich denken kann."
Also ich bin jetzt ja auch bei Facebook (und ich zwitschere jetzt auch mal ab und zu dumm rum). Und manchmal ist es im virtuellen Leben ja genauso wie im richtigen. Da hört oder liest man Sachen, die man eigentlich lieber gar nicht wissen will. So auch beim - wie sagt man so schön auf Deutsch - Social Network Facebook.
(Lausiger Screenshot: Thomas Ottensmann) Ich hatte da gerade mein Profil angelegt und sah dann den wunderschönen Button "Freunde" und ich dachte, da bin ich abba mal gespannt, wer eigentlich meine Freunde sind. Es erschien folgender Text (nach dem ich den Kaffee dann auf hatte, obwohl er erst halb getrunken und noch nicht kalt war): "Du hast keine Freunde. Sobald du Freunde hast, werden sie hier erscheinen."
Ob das funktioniert? Da bin jetzt abba mal wieder gespannt wie'n Flitzebogen...
Zu meiner Zeit hieß das Lütke Fassenacht und wir Blagen zogen im Herbst durch die überschaubare Nachbarschaft und wir waren verkleidet. Ende Oktober. Und ich weiß noch - da muss ich so 6 oder 7 gewesen sein - dass mir das komisch und spannend und aufregend vorkam, zu einer Zeit, wo gar kein Karneval sein konnte (denn das kam - ganz klar - nach Weihnachten und nicht kurz vorher!), verkleidet durch die Gegend zu laufen und Erwachsene um Süßigkeiten zu erpressen.
Wir sagten allerdings nicht "Trick or Treat" (das eine war damals für uns der Neffe von Donald Duck und das andere kannten wir gar nicht), sondern wir sangen (ja, ist mir heute selbst peinlich) an der Haustür. Ging so ähnlich wie "Lütke, Lütke Fassenacht, wir ham gehört, Ihr habt geschlacht..." - weiter weiß ich nicht mehr. Nur noch, dass so manche alte Frau aus der Kriegsgeneration das Lied sehr ernst und leider wörtlich nahm.
Und uns, weil sie gar keine Schokolade oder Spekulatius oder irgendwas Süßes im Haus hatte, Wurst gab. Eine hat mir mal auf meinen Spieß (wir hatten damals so Holzspieße, die wir vorgereckt haben, wenn wir zu Ende gesungen hatten und da wurden dann Würste draufgesteckt oder drumgelegt) ein Viertel Pfund grobe Leberwurst im Naturdarm gespießt. Das fand ich eklig. Und habe geheult (vor Wut und vor Verzweiflung, weil ich nicht wusste, wie ich den Spieß jetzt bis zu nächsten Haustür wieder sauber kriegen konnte) - und weil das so fies stank.
Das erklärt ja wohl so einiges am heutigen Weltspartag! Unter anderem mein gestörtes Verhältnis zu Leberwurst im allgemeinen und zur groben insbesondere. Aber auch diese komische Distanziertheit, wenn die Blagen heute zwar Halloween kennen, und wie selbstverständlich auch "Trick or Treat" sagen, aber nicht mehr Lütke Fassenacht. Wenn ich ehrlich bin, hatte ich das auch vergessen, bis gerade. Aber was ein studierter Volkskundler ist, der kann sich ja auch mal konstruktiv an sogenannte Heischegänge erinnern. Schön, wenn er da nicht allein ist: Im Netz findet sich recht viel zu diesem Thema.